Anwendungsbeispiele für die Eskalationsstufen

Wie können Sie die Wahrnehmung von Konflikten schulen?

Eskalationsstufen Anwendung und Beispiele

Übungen mit Eskalationsstufen

Anmoderation: Die Teilnehmenden (TN) werden aufgefordert, die vorliegenden 9 Bildkarten in eine Eskalationsreihenfolge zu legen.

Unter folgender Fragestellung:

  • Was passiert in welcher Reihenfolge?

Übungsablauf

Teil 1: Die TN sollen versuchen die einzelnen Eskalationsstufen auf den Bildkarten zu erkennen und in eine Reihenfolge zu bringen. Den meisten Teilnehmenden fällt es relativ leicht, sich auf die Reihenfolge der Stufen zu einigen, die aus den Bildern recht deutlich hervor geht:

1. Verhärtung
2. Debatte
3. Taten statt Worte
Andere werden dazu geholt
4. Images und Koalitionen
5. Gesichtsverlust
6. Drohstrategien
7. Begrenzte Vernichtungsschläge
8. Zersplitterung
9. Gemeinsam in den Abgrund.

Eine Hürde ist die Einordnung der Bedrohung mit dem Messer, die strafrechtlich relevant ist. Dennoch ist sie in der Logik der Eskalationsstufen eine Drohung und stellt die 6. Stufe dar.

Teil 2: Statt selbst die Richtigkeit der Stufen zu nennen, bitten wir eine Teilnehmer:in anhand des Lösungsblattes die Reihenfolge der Bilder zu überprüfen.

Teil 3: Die Übungsleitung bittet 3 TN die 9 Stufen in 3 Phasen einzuteilen (win-win; win-lose; lose-lose) und die ampelfarbenen Überschriften über die Bilder zu legen, wobei win-win bedeutet: wenn sich alle noch bemühen, können alle noch gewinnen; win-lose: ich kann gewinnen, wenn der Andere verliert; lose-lose: Hauptsache ich kann dem Anderen schaden und in dieser Haltung verlieren beide.

Diese Einordnung fällt den 3 TN schwerer. Wo hört die „win-win“ Phase auf? Könnten alle noch gewinnen, wenn schon Andere dazu geholt werden (Stufe 4) oder ist das dann nicht mehr möglich?

Anwendung Eskalationsstufen nach Glasl
Anwendung Eskalationsstufen nach Glasl

Teil 4: Die Bildunterschriften sind auf dem DINA4-Blatt nicht in der richtigen Reihenfolge. Wenn Sie das Blatt vor dem Zerschneiden kopieren, kann jede:r in Einzelarbeit versuchen, die Bildunterschriften den 9 Stufen zuzuordnen.

Teil 5: Dann bekommen 9 eine der auseinandergeschnittenen Stufen und versuchen Sie im Teamwork unter die Bilder zulegen. Auch hier kann ein:e Teilnehmer:in mit Lösungsblatt die Richtigkeit überprüfen.

Teil 6: Fordern Sie nun verschiedene Teilnehmenden auf, ab der Stufe 1 zu erläutern, was sie auf den Bildern sehen und wie das mit der Bildunterschrift und dem Titel der Stufe im runden Kreis zusammenhängt. Als Variante können Sie selbst die einzelnen Stufen mit Hilfe der Kreise erläutern. Wichtig ist es, die Übergänge zwischen Phase 1 und 2 und Phase 2 und 3 besonders zu erklären als Sprung in die nächste Dimension der Eskalation. Als Übungsleitung können Sie mit dieser Frage vertiefen: Welche Signale gibt es, die jeweils die nächste Phase anzeigen?

Es ist auf jeden Fall hilfreich, Beispiele aus den Erfahrungsbereichen der Teilnehmenden zu erfragen oder als weitere Beispiele parat zu haben.

Teil 7: sollte die Möglichkeit enthalten, Bearbeitungsformen zu den einzelnen Phasen zu entwickeln und dabei die Grenzen der Methoden zu thematisieren. Die Grenze der Mediation sollte zwischen 7 und 8 je nach Kontext liegen. Der Täter-Opfer-Ausgleich oder Tatausgleich geht bereits bis Stufe 8.

Vertiefungseinheiten zu den Eskalationsstufen

Vertiefungsfrage: Als Übungsleitung können Sie mit dieser Frage vertiefen: Wo beginnt Mobbing?

Antwort: Ab Stufe 4/Phase 2. Dann, wenn Kontrahenten nicht mehr miteinander, sondern hinter dem Rücken des Anderen sprechen. Es entwickelt sich eine asymmetrische Eskalation, weil hier eine mächtige Mehrheit auf eine schwächere Minderheit trifft. Der Sachkonflikt bleibt bereits zwischen Stufe 2 und 3 auf der Strecke oder war nie vorhanden.

Variante I

Als Vertiefung ist es hilfreich, drei Gruppen zu bilden und damit zu beauftragen, die jeweils 3 Stufen einer Phase in einem Sketch vorzuspielen. Ziel soll dabei sein, dass bei der Vorführung die Anderen Gruppen die einzelnen Stufen identifizieren können. Verkleidungsmaterial sollte vorhanden sein und auf das Entrollen muss nach Rollenspielen geachtet werden. Diese Gruppenarbeit macht allen viel Spaß und hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck.

Variante II

Eine Variante für die Ausbildung von Schülermediator*innen besteht darin, alle einen Streit malen zu lassen und die Bilder dann nach Schwere sortieren zu lassen. Hier kann ein Streit mit Worten, mit Fäusten und ein Streit durch Ausgrenzung unterschieden werden. Die Reihenfolge der selbst gemalten Bilder kann dann später neben die gezeichneten Eskalationsstufen aus dem Material gelegt und verglichen werden.

Kinderbild Mädchen streiten - Eskalationsstufen

Variante III

Eine Variante für die Ausbildung von erwachsenen Mediator*innen besteht darin, zuallererst jede:n Teilnehmer:in ein abstraktes Bild mit zwei Farben über einen aktuellen Konflikt malen zu lassen. Diese Bilder werden ohne Namen von Dreien aus der Gruppe nach Eskalation sortiert. Die Gruppe arbeitet allein und sucht im Tun nach Kriterien für ihre Reihenfolge. Dann kommen wiederum drei weitere, die die Reihenfolge nach ihren Kriterien verändern können. Am Ende schaut die Gruppe auf die Konfliktbilder und die gefundene Reihenfolge und nun darf jede:r alle Bilder verschieben mit einer genannten Begründung. Die letzte Reihenfolge wird per Foto dokumentiert.

Eskalationsstufen: Kinder arbeiten mit den eigenen Bildern

Auswertung dieser Übungsphase mit den Fragen:

  • Wie ging es Dir als Eure Reihenfolge verändert wurde?
  • Wie ging es Dir als über Dein Bild gesprochen wurde?
  • Was folgt für Euch aus dieser Übung bezogen auf Eskalation und deren Ausdruck?

Wichtig ist die Subjektivität des Konfliktausdrucks und der jeweiligen Deutung herauszuarbeiten. Hier gibt es kein Richtig und Falsch. Die Kriterien zur Einschätzung der Eskalation können festgehalten und nach der im vorangegangenen Abschnitt beschriebenen Übung verglichen werden.

In der Folge kann dann die zuerst beschriebene Übung mit dem Kartenmaterial durchgeführt werden.

Die Reihenfolge der selbst gemalten Bilder kann dann später neben die gezeichneten Eskalationsstufen aus dem Material gelegt und verglichen werden.

  1. Selbst Malen und nach Schwere der Eskalation sortieren
  2. Die illustrierten Eskalationsstufen sortieren
  3. Die selbstgemalten Bilder den Eskalationsstufen zuordnen
  4. Beides vergleichen

Auswertungsfragen: Was hat sich verändert? Was fällt Euch auf?

Wichtig: Niemand muss den Konflikt auf dem gemalten Bild erläutern bis dahin, dass auch die Urheberschaft der Bilder anonym bleiben kann.

Es bietet sich an, in Tandems oder im Tagebuch den Prozess individuell zu reflektieren.

Literatur: Theorie der Eskalationsstufen

(basierend auf Glasl, F. (1999): Konfliktmanagement)

Die Gesichter hinter den Eskalationsstufen​

Kerstin Lück | Tessa Bertram Mediatorinnen und Trainerinnen im Bereich Kommunikation und Teambildung seit 20 Jahren

Komplexe Konflikttheorie verständlich machen und vermitteln:

Dafür setzen wir uns als Mediatorinnen und Trainerinnen im Bereich Kommunikation und Teambildung seit 20 Jahren und über 1000 mit Erfolg durchgeführten Workshops, Seminaren, Mediationen und Coachings ein.

Helga Neumann hat die neun Eskalationsstufen für den pädagogischen Bereich von Klaus-Martin Grebe illustrieren lassen. Wir haben ihre Arbeit weiterentwickelt, um unseren Kolleg*innen eine spannende und verständliche Vermittlung der Konflikttheorie zu ermöglichen.

Helga Neumann

Die Eskalationsstufen eignen sich perfekt für...

  • Mediator*innen und Trainer*innen, die einen nachhaltigen Wissenstransfer ermöglichen wollen und gemeinsam im Tempo der Teilnehmenden die Konflikttheorie entwickeln wollen.
  • Pädagogische Fachkräfte und Schulen, die Kindern und Jugendlichen in einem geschützten und interaktiven Rahmen zu mehr Konfliktverständnis verhelfen wollen.

Häufig gestellte Fragen:

Ja, da die illustrierten Eskalationskarten auf eine interaktive und leicht erfahrbares Konfliktverständnis abzielen.

Aus 450 gr. Karton. Für die mehrfache Benutzung in Klassen und vor allem auf dem Fußboden empfehlen wir eine Laminierung.

Nein, allerdings ist es hilfreich, ein bis zwei Konflikte einmal durch die Brille der Eskalationsstufen angeschaut zu haben und, um auf Nachfragen antworten zu können, ein weiteres Beispiel für jede Stufe im Kopf zu haben.